Statistiken zufolge hat in Deutschland etwa die Hälfte der Einwohner Übergewicht, etwa 20 Prozent der Menschen ist fettleibig (adipös). Übergewichtige haben mit einer Vielzahl von Begleit- und Folgeerkrankungen zu kämpfen, die ihnen das Leben erschweren. Bei starkem Übergewicht steigen insbesondere die Belastungen des Herz-Kreislaufsystems und es treten vermehrt Stoffwechselerkrankungen auf, was die Lebensqualität senken und sich negativ auf die Lebenserwartung auswirken kann.

Folgeerkrankung Diabetes mellitus Typ-2

Adipositas gilt als Hauptrisikofaktor für Diabetes mellitus. Im Durchschnitt sind 80 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 übergewichtig. Das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, ist bei stark übergewichtigen Personen ungefähr viermal so hoch wie bei normalgewichtigen Menschen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Fettleibigkeit gilt außerdem als Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Übergewichtige zeigen häufiger Bluthochdruck (Hypertonie), bei dem es zu einer krankhaften Steigerung des Drucks in den Arterien kommt. Beim Blutdruck werden der systolische (das Herz zieht sich zusammen) und der diastolische (das Herz erschlafft) Wert unterschieden. Als optimal gelten Blutdruckwerte im Bereich von 120/80 mmHg.

Bei Fettleibigen steigt der systolische Wert pro zehn Kilogramm Übergewicht um etwa drei mmHg an, der diastolische Wert um etwa zwei. Übergewichtige weisen nicht selten Werte von deutlich über 140/90 mmHg auf. Eine typische Folgeerkrankung des Bluthochdrucks ist die Verdickung des Herzmuskelgewebes.

Neben einer Verdickung des Herzmuskelgewebes kann es zu einer Verengung der Herzkranzgefäße kommen. Durch diese koronare Herzkrankheit können Krankheiten wie Angina pecoris (Herzenge) vermehrt auftreten, darüber hinaus steigt das Risiko eines Herzinfarkts.

Dieses Risiko wird durch eine Gefäßverengung (Arteriosklerose) lebenswichtiger Gefäße wie der Hauptschlagader oder der Herzkranzgefäße zusätzlich erhöht. Bei einem dauerhaften Bluthochdruck reicht die Pumpleistung des Herzens nicht aus, um einen reibungslosen Stoffwechsel zu gewährleisten.

Folgeerkrankungen sind Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Gefäßverschlüsse (Thrombosen). Schlaganfälle stellen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland dar. Das Schlaganfallrisiko steigt bei übergewichtigen Personen mit fortlaufendem Alter deutlich an.

Erektionsstörungen (Impotenz)

Die Gefäßverengung im Genitalbereich kann außerdem zu Erektionsstörungen (Impotenz) führen.

Erhöhte Cholesterinwerte

Das zu den Sterolen zählende Cholesterin, das sich vor allem in der Plasmamembran befindet, ist ein wichtiger Stoff, der den Körper in der richtigen Menge bei der Erhaltung seiner Funktionen unterstützt. Unter anderem wird Cholesterin zur Bildung von Steroidhormonen und Gallensäure benötigt.

Das Cholesterin beeinflusst darüber hinaus die Bildung der Fortpflanzungshormone Testosteron, Progesteron und Östrogen sowie die Bildung von Cholsäure und die Glykocholsäure, die wichtige Aufgaben im Verdauungstrakt übernehmen.

Übergewicht und Adipositas gehen häufig mit einem erhöhten Cholesterinspiegel einher, der jedoch in Einzelfällen auch erblich bedingt sein kann. Durch die erhöhte Cholesterinausscheidung über die Galle können sich in der Galle Gallensteine bilden, die weitere Erkrankungen oder Schmerzen auslösen können.

Werden die Beschwerden schlimmer, müssen die Gallensteine entfernt werden. Lässt sich der Cholesterinspiegel durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten nicht senken, müssen Betroffene vom Arzt verschriebene Medikamente einnehmen.

Fettstoffwechselstörungen

Fettstoffwechselstörungen kann der Arzt anhand erhöhter Fettwerte im Blut sowie an einer gestörten Zusammensetzung der Blutfette erkennen.

Fettstoffwechselstörungen sind starke Risikofaktoren für eine frühzeitige Arteriosklerose, mit der Konsequenz, mit erhöhetem Risiko einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen der Beine sowie der inneren Organe zu erleiden.

Durch die Bildung von Fettdepots im Bauchraum und am Zwerchfell können die Atemwege fettbedingt verengt sein. Am Tag zeichnet sich die Sauerstoffunterversorgung durch chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit sowie Kurzatmigkeit aus.

Treten Atemstörungen nachts auf, kann zu es zu einer Sauerstoffunterversorgung des Hirns kommen. Im schlimmsten Fall tritt der plötzliche Herztod ein. Bei etwa 25 bis 35 Prozent der Übergewichtigen tritt eine sogenannte Fettleber auf, die im Vergleich zu einer gesunden Leber unter Umständen nicht mehr reibungslos funktioniert. Die Fettleber ist deutlich vergrößert und blassgelb statt dunkelrot. Ursache für die Fettleber ist eine Leberzellverfettung.

Folgeerkrankungen des Bewegungsapparates

Durch das deutlich erhöhte Gewicht, das Übergewichte mit sich herumtragen, werden Gelenke, Sehnen und Bänder mehr beansprucht. Insbesondere die Gelenke nutzen sich stark ab, sodass Übergewichtige nicht selten über Schmerzen an oder in den Knien, am unteren Rücken, an den Hüften oder am Nacken klagen.

Wird der Verschleiss durch eine Gewichtsreduzierung nicht aufgehalten, scheint häufig eine Operation als letzter Ausweg. Übergewichtige, die durch Sport ihr Gewicht reduzieren möchten, müssen aufpassen, dass sie ihren Bewegungsapparat nicht nachhaltig schädigen.

Joggen oder Ballspiele, bei denen schnelle Richtungswechsel durchgeführt werden, sind für übergewichtige Personen nicht geeignet, um abzunehmen. Gelenkschonender sind Aquajogging, Fahrradfahren oder Kraulschwimmen. Erst wenn der Übergewichtige bereits einige Kilos abgenommen hat, kann er in Absprache mit seinem Arzt andere Sportarten in Betracht ziehen.

Mit Übergewicht geht häufig ein abnehmender Bewegungsdrang einher. Wird der Körper zusätzlich nicht mehr ausreichend mit Calcium versorgt, besteht die Gefahr von Osteoporose (Knochenschwund) und Schenkelhalsfrakturen (Knochenbrüche an Gelenkübergängen) treten häufiger auf.

Rheumatische Erkrankungen

Der Zusammenhang zwischen dem Gewicht eines Menschen und dem Verlauf von rheumatischen Erkrankungen (Beispiel: rheumatoiden Arthritis) konnte von der Forschung bisher nicht eindeutig geklärt werden.

Bekannt ist aber, dass eine über das normale Maß hinausgehende Menge an Körperfett einen negativen Einfluss auf die Abwehrmechanismen des Körpers haben kann und überschüssiges Körperfett in bestimmten Körperregionen Entzündungen hervorrufen kann.

Ein geschwächtes Immunsystem kann sich wiederum negativ auf den Verlauf von Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis auswirken. Forscher aus Schweden haben in einer Studie gezeigt, dass übergewichtige Patienten nach sechs Monaten Behandlungszeit weniger von einer medikamentösen Arthritistherapie profitieren als normalgewichtige Patienten.

Studie aus Kanada zu den Folgen von Adipositas

Eine Studie aus Kanada (Are Metabolically Healthy Overweight and Obesity Benign Conditions? ) belegt, dass extremes Übergewicht immer negative Folgen hat, selbst wenn bisher noch kein Diabetes, Bluthochruck oder sonstige Folgeerscheinungen aufgetreten sind.

Für ihre Analyse werteten die Forscher die medizinischen Daten von 61.386 Probanden und 3988 tödlichen oder nicht tödlichen Ereignissen innerhalb von mindestens zehn Jahren Beobachtungszeit aus. Die Metaanalyse der Studie lieferte im Einzelnen folgende zentrale Ergebnisse:

  • Bei den stoffwechselgesunden Teilnehmern zeigen die Übergewichtigen ein ähnliches kardiovaskuläres und Mortalitätsrisiko wie die Normalgewichtigen (relatives Risiko: 1,1).
  • Unabhängig vom Gewicht war das kardiovaskuläre Risiko und das Sterberisiko erhöht, wenn eine Stoffwechselerkrankung vorlag (Normalgewichtige: relatives Risiko 3,1, Übergewichtige: 2,7, Adipöse: 2,2).
  • Mit zunehmendem BMI erhöhten sich bei Stoffwechselkranken und metabolisch gesunden der Blutdruck, die Insulinresistenz und der Taillenumfang, das HDL-Cholesterin hingegen nahm ab. Für Triglyzeride, Glukose und LDL-Cholesterin konnte dies nicht beobachtet werden.
  • Über einen Beobachtungszeitraum von mindestens zehn Jahren hatten Adipöse (BMI > 30), die keine Stoffwechselerkrankung aufwiesen, ein höheres Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden oder zu sterben, als Normalgewichtige, die keine Stoffwechselerkrankung zeigten (relatives Risiko: 1,24).

Die Studie zeigte ebenfalls, dass die Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Gesundheitsrisiko sehr komplex und vielschichtig sind. Insgesamt nehmen viele Experten an, dass ein ansteigendes Körpergewicht zunächst eine subklinische metabolische und vaskuläre Dysfunktion entwickelt, mit der ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko und die Wahrscheinlichkeit eines früheren Tods einhergeht, selbst wenn keine explizite Begleit- oder Folgeerkrankung der Adipositas festgestellt werden konnte.

Quellen: